“madame p” und viele andere Schönheiten: Endlich Neues von Detlef Bunk

Christins rotes Kleid
 
Stahlsaiten erklingen sacht, dann kommen Thomas Wolks Cello und dann Annette Reschkes Violine dazu. Gleich im nächsten Stück sorgt Marcus Schloussens E-Bass für reichlich Fundament; und im dritten sorgt Erik Kross mit seinen Loops seinerseits für andere Gitarrenbegleitung. Der sanfte Steelstringer Detlef Bunk hat sich Gäste eingeladen, ganz unterschiedliche, und damit sorgt der Gitarrist für ein buntes, abwechslungsreiches und immer ansprechendes kammermusikalisches Ambiente.
 
Fünf Jahre nach seinem AMR-Debüt "two stones“ hat Detlef Bunk nun mit "Red Dress" [Acoustic Music Records 319.1397.2] eine Platte gemacht, deren Schönheit für bare Unvergesslichkeiten sorgt. Andere fabrizieren in solch einem Zeitraum an die dreimal mehr an Tonträgern, während sich unser Mann aus Stralsund Zeit nimmt und ganz ohne Hast zu Werke geht, dafür aber mit jeder Menge Verstand und Herz und Seele und Stil. "Red Dress" bietet nicht nur wieder Schönheit, sondern auch guten Geschmack und vor allem in etlicher Hinsicht Musik, die nicht mit dem, sondern couragiert gegen den Zeitgeist anspielt. Seine Zeit ist keine Maschinenzeit, keine Zeit seelen- und sinnentleerter Computerklänge und –rhythmen. Seine Zeit ist nicht die einer auf Wirksamkeit und bloßen Effekt ausgerichteten Technikmeisterschaft um ihrer selbst willen. Seine Zeit ist nicht geprägt von der Jagd nach Perfektion oder dem "ultimativen" Kick. Statt dessen gehört er zu der kleinen, sehr vielfacettigen Familie der Musikanten, in der beispielsweise auch ein Uwe Kropinski mit am Tisch sitzt. Es geht nämlich auch hier um das, was wirklich heuer nur rar gesät ist: das Musikantische und nicht das (oft missverstandene) "Musikalische". Es geht um das Spielerische, um das Ursprüngliche in der Musik, um das Ent- und Verzückende, das Betörende und das Unübertreffliche in der Einfachheit – ohne dass dieser Gitarrist ein musikalischer village explainer wäre, der's nicht besser könnte.
 
Ein Titel wie "madame p" ist tatsächlich an Schönheit kaum noch zu überbieten, "j church" für Gitarre solo kommt hübsch angejazzt daher, gefolgt von noch einem Gitarrensolo namens "christin", dies nun eher bedächtig und eine Hommage ans musikalische und gitarristische Florett statt an den zentnerschweren Zweihänder. Und man denkt sich, dass "Christin" eine wunderbare Frau sein muss…
 
Das also ist die musikalische Welt Detlef Bunks, mal allein, mal mit Streichern wie in "blue nile" und äußerst geschmackssicher vorbei am B-Film-Kitsch, trotz des etwas zu pathetischen Besuchs des Klaviers in der zweiten Hälfte des Stücks.. Oder wie in "scram", auch von Kross arrangiert und wieder mit E-Bass, dem anfangs die Gitarre eine einfache Figur vorlegt, und so weiter, und so fort. Eine Wundertüte gefüllt mit 16 wunderschönen Sachen.
 
Seine Landesregierung in MeckPomm sollte diesen wunderbaren Akustikgitarristen damit beauftragen, ein Lied zu schreiben, das so schön ist wie sein Land. Das wär's. Ein See, Schilf, ein alter Bootssteg, draußen im Morgendunst schemenhaft ein Angler in seinem Kahn. Fertig. Detlef Bunks Musik ist Schilf und Farn und tuschelnde Wellen und sanft geschwungene Horizonte, ganz wie in "snowflakes & pancakes". Allein sein Anschlag in diesem Song sagt alles über diesen Musicus, der seine immer unwiderstehlich schönen musikalischen Seelenlandschaften mit offenbar größter Selbstverständlichkeit und stets feinem Pinsel hintuscht und dem es nicht um das ständige eitle Herausspielen von Virtuosität geht, sondern um alles das, was oft zu kurz kommt – nämlich, was man mit einer akustischen Steelstring an Schönheit und Assoziationsreichtum tatsächlich hervorzaubern kann.
 
Ein höchst sympathischer dreamweaver ist er, ein bescheidener Ökonom (sic!) und ein Ästhet, dem jegliche hörbare Kraftprotzerei zuwider scheint. Und "Red Dress" ist Urlaub - Urlaub vom ganz gewöhnlichen alltäglichen banalen konsumwestlichen Irrsinn.
Rezension von
Alexander Schmitz


Detlef Bunk  “Red Dress” 2008 Acoustic Music Records 2008

This top-notch acoustic guitarist from Germany, released during the last 10 years several great CD's as “Two Stones” and California Impressions” among many others. “Red Dress” is a very versatile CD from an excellent guitar player and composer. On this album there are so many styles included, going from Latin, Celtic, New Age to pop, alternative rock, among others, that this CD has a very unique setup. Each cut gets you in an other mood or direction.
Detlef invited many guest musicians on this CD, like Ian Melrose on resonator guitar ,Annette Reschke(violin), Marcus Schloussen, Conny Sommer on percussion and 2 other fantastic musicians, who all interact beautiful in as well moody as uplifting pieces. To highlight some cuts, I like to refer to “Tichi Don” with a terrific groove on guitar and fretless bass. “Highway 101”with percussion and fagot doing a remarkable job. “Madame P” which sounds like a chamber orchestra,
“J Church” with fine groove from Detlef on guitar. “Festival Samba, with Detlef on fretless guitar and Ian Melrose on resonator guitar, really a very marvellous piece. Detlef Bunk and his guest musicians succeeded to present a CD with as well numerous styles as also 16 magnificent compositions which are showing unbelievable art. Wow.!

Henk te Veldhuis
Bridge Guitar Reviews © 2008



Red Dress von Detlef Bunk
Von
Rainer Molz
19. Jun 2008, 16:52

Ob Akustik Pop, ob Alternative Rock, Reggae oder Latin. Kaum ein Genre ist dem gebürtigen Stralsunder fremd. Seine stilistische Vielseitigkeit, musikalische Kompetenz und harmonische Kreativität zeigt der Absolvent der Dresdner Hochschule Carl Maria von Weber in den unterschiedlichsten Projekten: als kompetenter Gitarrendozent und Fachautor diverser Gitarrenschulen, als Organisator des Internationalen Dresdner Gitarrenfestes und natürlich als geschätzter Solokünstler. Ein Tausendsasser in Sachen Gitarre.

Detlef Bunk ist ein Akustikgitarrist, der sich mit Akribie und Präzision seinem Instrument widmet. Konsequent setzt er sich mit der sechsseitigen Stahlgitarre auseinander. Nicht nur in Deutschland ist er ein gern gesehener Gast. 1998 gab er sein Debüt in den USA. Mit dem Ausnahme-Akustiker an der Gitarre Alex de Grasse ging er in Kalifornien auf Tour.
 
Nach dem 2000er Werk „California Impressions“ - eine musikalische Zeitreise und Erinnerung an die USA-Tour und der 2003er CD „Two Stones“, fügt Detlef Bunk nun seiner Diskografie mit „Red Dress“, sein insgesamt siebtes Werk, ein weiteres Instrumentalalbum mit Eigenkompositionen hinzu. Er präsentiert eine Mischung der unterschiedlichsten Stilistiken : Sologitarrenstücke mit keltischen Einflüssen, poetische Balladen, mitreißende Fingerstyle-Instrumentals und orientalische Klangskizzen. Zusätzliche Glaubwürdigkeit und große klangliche Ausstrahlung erhält das Album durch detailreiche Arrangements verschiedenster Instrumente, die perfekt in Szene gesetzt wurden.

„Red Dress“ - ein kurzweiliges, lebendig frisches und äußerst unterhaltsamen Hörvergnügen.



CD-Rezensionen Jazz --Von ddp-Korrespondent Claus Gams--
Detlef Bunk - «Red Dress»

Detlef Bunk gehört zu den (wenigen) Akustikgitarristen, die sich konsequent mit der sechssaitigen Stahlsaitengitarre auseinandersetzen. Neben seiner Qualität als Gitarrist besitzt er darüber hinaus eine enorme musikalische Kompetenz, künstlerische Kreativität und stilistische Vielseitigkeit. All das ist jetzt eindrucksvoll in seinen 16 Instrumentalkompositionen auf dem aktuellen Album «Red Dress» zu hören.

Das Spektrum reicht von Solostücken, teilweise mit keltischen Einflüssen, über sanfte, poetische Balladen und mitreißende, virtuose Fingerstyle-Titel bis hin zu orientalischen Klangstücken und temperamentvoll-pulsierenden Samba- und Latin-Grooves.

Einen zusätzlichen Reiz bildet zudem die variable, mit viel Raffinesse und Gespür eingesetzte Instrumentierung. Angefangen von Detlef Bunck selbst, der neben akustischer Stahlsaitengitarre noch weitere Saiteninstrumente einsetzt, darunter das Banjo sowie die Oktav- und Fretless-Gitarre. Als Gäste wirken Ian Melrose an der Resonatorgitarre «Dobro», Hartmut Köllner am Fagott und an der Bassklarinette, Erik Kross am Piano, den Keyboards und an den Loops, Conny Sommer an den Perkussions, Marcus Schloussen am Bass sowie ein Streichtrio an Geige, Bratsche und Cello.

Die Kompositionen bewegen sich im harmonischen, tonalen Bereich und zeichnen sich durch reizvolle rhythmische Spielereien, überraschende klangliche Effekte und durchdachte Arrangements aus, die teilweise auch von Pianist Erik Kross stammen. Besonders gefallen die sich im polyphonen Geflecht bewegende Komposition «Highway 101», das filigrane, spannungsvolle Solostück «Nur ein Wort» sowie das Titelstück «Red Dress», in dem sich die Gitarre in attraktivem Wettstreit mit mal sanft-getragenen, mal im Pizzicato rhythmisch zupfenden Streichern abwechslungsreich bewegt.

(Detlef Bunk - «Red Dress» Acoustic Music Records / Rough Trade; VÖ: 20. Juni 2008)